Di
17
Nov
2009
Aus dem Leben einer Miko-san
Die Woche fing mit einer Herausforderung an: ich wollte mir unbedingt eine Pendlerkarte für den Zug kaufen (da spart man sich ne Menge Geld). War dann allerdings relativ einfach und sehr unbürokratisch. Vor allem da ich ein Handy habe. Immer erklären zu müssen, dass man keine Telefonnummer hat in Japan, wenn man Formulare ausfüllt, kann anstrengend sein.
Meine letzten Arbeitstage bei Obaachan vergingen recht schnell und am Donnerstag war dann auch schon die Hakama-Anprobe (Hakama ist das traditionelle Gewandt einer Miko-san). Zuerst mussten wir aber wieder einmal mit Schleimi-Schleimi-Priesterlein reden (ich mag diesen Mann überhaupt nicht, auch wenn er der Sohn vom Oberpriester ist). Dabei habe ich dann auch erfahren, dass ich das Wochenende arbeiten muss. Jedes Wochenende. Ich darf mir dafür 2 Tage unter der Woche aussuchen, an denen ich frei haben will. Außer Montags. Und diesem einen bestimmten Tag in der Shinto-Woche. Nun ja, nächster freier Tag also: Dienstag. Ich bin danach in die Schule, wo Simon mich eingeladen hat am Freitag mit seinen Arbeitskollegen, seinem Chef, ihm, Dominik, Johannes und Susanne essen zu gehen. Da Simons Chef zahlte, habe ich natürlich sofort Ja gesagt ^_^
Am Freitag also war mein erster Arbeitstag. Um 6 Uhr aufstehen und um 7:22 Uhr den Local nach Hakozaki nehmen. War dann gegen 8 Uhr da. Dann hieß es erst einmal umziehen. War eigentlich einfach und ich brauchte keine Hilfe. Nachdem ich ja ziemlich viel Angst im Vorfeld hatte, weil ich dachte, die Mikos da sind relativ eingebildet und so, weil sie eben Mikos sind, war ich ziemlich erleichtert, als ich den ganzen Haufen kennengelernt habe. Eigentlich ganz normale japanische Mädchen.
Nur eine Miko mag ich nicht. Sie wird von allen nur "Miss Hakozaki" genannt. So aussehen tut sie nicht wirklich, aber so arrogant ist sie. Und sie fasst mich andauernd an. Ich will nicht von ihr am Ohr gekrault werden! Ich meine, wtf, was geht denn mit der ab?! Die andern betatschen wenigstens nur meine Haare und meinen ich sei süß.
Generell sind alle super lieb zu mir und sehr geduldig, was meine Sprachkenntnisse angeht. Am Abend war ich dann auch echt fertig, weil den ganzen Tag nur Japanisch geredet habe.
Freitag Abend war sehr witzig, weil wir 14 Leute oder so waren und in einem echt super Fisch-Restaurant gegessen haben. Die Rechnung, die Simons Chef für uns alle ja übernommen hat, war zum Schluss 89000 Yen...
Samstag und Sonntag waren ziemlich ähnlich in der Arbeit. Im Moment ist das 7-5-3-Fest, da gibts ne Zeremonie für 7-, 5- und 3-Jährige. Da hab ich dann Geschenk-Tüten gepackt und verteilt. Außerdem habe ich noch Broschüren gefaltet und Omikuji (Orakelsprüche) zu Bündeln zusammengemacht. Am Samstag Abend hab ich mich nochmal kurz mit einer Designerin getroffen und schnell das Kleid andprobiert, das ich tragen werde. War ganz hübsch, aber nichts besonderes. Der Ausschnitt ist halt ein bisschen groß, aber ansonsten ist das Kleid echt unspektakulär...
Am Sonntag durfte ich außerdem noch eine Zeremonie für die Sicherheit und Stabilität Japans mit ansehen und außerdem war eine Hochzeit (da habe ich aber nur das Brautpaar beim anschließenden Fotoshooting gesehen).
Der Montag (also gestern ^_^) war ziemlich ereignisreich. Am Morgen wieder das Übliche (Broschüren...also totarbeiten tun sich die Mikos auch nicht...), aber heute musste ich auch zum ersten Mal Sachen (Glücksbringer...) verkaufen. Hört sich einfach an, aber ich muss eine ganz spezielle Höflichkeitsform benutzen, die man normalerweise nicht benutzt außerhalb eines Schreins. Also doch ziemlich tricky. Mein erster Versuch etwas zu verkaufen scheiterte dann auch kläglich. Ein Mann hat sich einen Glücksbringer angeschaut und ich bin halt dann so hin, falls er ihn kaufen will. Wollte er auch. Aber als er gesehen hat, dass in der traditionellen Miko-Tracht eine Ausländerin steckt, hat er sich so erschreckt, dass er den Glücksbringer wieder hingelegt hat und einen Schritt zurück ist. Eine andere Mikko hat ihm dann den Glücksbringer verkauft...
Am Nachmittag musste ich ein Ikebana-Gesteck machen. Ich war ziemlich fertig, weil ich ja nicht wirklich begabt darin bin, wie ich schon einmal herausfinden durfte...
Aber die Ikebana/Teezeremonie-Meisterin hatte nichts großartiges daran auszusetzen. Nur ein bisschen was und das war echt schon eine Meisterleistung von mir ^_~
Mein Gesteck steht jetzt übrigens in der Eingangshalle des Verwaltungsgebäudes.
Danach Teezeremonie. Die war....schmerzhaft...ich bin den traditionellen Sitz halt noch nicht gewöhnt. Meine Füße sind mir dermaßen eingeschlafen, dass ich sie gar nicht mehr gespürt habe und nach der Zeremonie nicht aufstehen konnte...anstatt meiner Füße waren nur 2 tote Klumpen Fleisch...aber nach 10 Minuten gings wieder.
Ich war so fertig, dass ich danach gleich in die Tomo zurück bin und mich ausgeruht habe.
Heute habe ich ersteinmal bis 11 Uhr ausgeschlafen und habe dann meine Alien Registration Card abgeholt. Wie Lorenz sagte: "Herzlichen Glückwunsch, jetzt bist du ein registrierter Ausländer mit dem Edmund-Stoiber-Siegel für angepasste Kanaken."
Joa, das war meine Woche, so grob ^_^
Kommentare: 1
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#1
Hallo liebe Frau Fröhlich,
Man wollte anmerken, dass man ihren Blog dezent verfolgt.
Lg
:)

福岡からこんにちは
